Geschichte der Kirche Steinsdorf

Kirche

Foto: Kirche

Die Kirche ist vermutlich um 1400 entstanden. Dass uns dieses Gotteshaus bis heute erhalten geblieben ist, gleicht schon fast einem Wunder, denn in den verschiedenen Jahrhunderten wurde ständig festgestellt, dass sich eine Reparatur eigentlich nicht mehr lohnt. Bereits 1546 wird das Kirchlein als alt und sehr baufällig bezeichnet. Über der bemerkenswerten alten Holztür am Eingang zum Kirchenschiff ist das Datum 19. April 1677 zu entziffern. Im Jahre 1703 ließ Herr von Watzdorf eine Empore mit aufwendigen Verzierungen über dem Altar als Schülerchor fertigen. Dort fand eine erste kleine Orgel ihren Platz. Der Turm wurde 1704 neu gedeckt und mit einem Knopf versehen. Aus dem Jahre 1712 wird von einem größeren Reparaturumbau berichtet. Ein Anbau mit Aufgang zum Turm kam hinzu. Zahlreiche aus Holz gefertigte bemalte Reliefs wie Putten, Blumen und Früchte sind in der Steinsdorfer Kirche zu finden. Fast die gesamte Innenbemalung stammt aus der Zeit des Bauernbarock um 1700, das meiste aus dieser Zeit ist unverändert erhalten geblieben. Die neue Orgel auf der Empore gegenüber dem Altar wurde 1844 von Karl Wolf gebaut. Sie ist das einzige im Original erhaltene Werk des Plauener Orgelbauers. Im Jahre 1935 erfolgte eine gründliche bauliche Wiederherstellung von Kirche und Kirchturm. 1951 wurde das alte Treppenhaus abgebrochen und neu errichtet. Die Predella, der Sockel des Altarschreins, wurde 1953 wieder aufgefunden. Sie konnte jedoch nicht mehr vollständig restauriert werden. Ab 1975 begann die weitere Innenrenovierung der Kirche. Fehlendes Schnitzwerk wurde ergänzt und die Innenraumfassung des späten 18. Jahrhunderts freigelegt. Eine Außenrenovierung konnte 1980 in Angriff genommen werden. In den Jahren 2008-2010 wurden umfangreiche Bauarbeiten am Dach des Kirchenschiffes und des Turmes durchgeführt. Bei der Neueindeckung des Daches stellte sich ein starker Schwammbefall des Dachstuhles heraus, welcher die Standfestigkeit der Kirche gefährdete. Die Beseitigung dieser Schäden war mit erheblichen Mehrkosten verbunden, die noch heute als Schulden auf der Kirchgemeinde lasten.

Der Altar

Foto: Der Altar

Der spätgotische Flügelaltar wurde 1497 von dem Zwickauer Bildschnitzer Peter Breuer (1472-1541) geschaffen. Es ist das älteste und bekannte Werk des Schülers von Tilman Riemenschneider. Die Figuren gehen auf seine Hand zurück, die Bemalung der Flügel nahmen andere Künstler vor. Dieser wertvolle vorreformatorische Altar wurde von zwei Übermalungen betroffen. Um 1700 wurde die farbliche Gestaltung des Altars der barocken Ausgestaltung der Kirche angepasst. 1922 erfolgte eine Vorrichtung des Schnitzaltars in der Werkstatt des Landesdenkmalamtes in Dresden. Dabei wurden die als nicht restauriernbar angesehenen Ganztafelfiguren schwarz überstrichen und die Flügel gewendet. 1988 begann eine Restaurierung durch den Plauener Restaurator Detlef Melke. Anlässlich des 500. Jubiläums 1997 erstrahlte der Altar wieder im Originalzustand.

Altarschrein

Foto: Altarschrein

Deutlich lassen die Figuren im Steinsdorfer Altarschrein erkennen, dass sie von einem jungen Künstler geschaffen wurden. Die allmähliche Veränderung der Maria im Laufe seines Schaffens zeigt sie immer reifer werdend. In der Reihe dieser Mariengestalten ist die Steinsdorfer die Jüngste, fast noch ein Mädchen. Sie ist als Himmelskönigin, von einem Strahlenkranz umgeben, mit einer Krone versehen und auf der Mondsichel stehend mit dem Jesuskind dargestellt. Jung erscheinen auch die beiden anderen Figuren, welche Maria einrahmen. Links Bischof Nikolaus, der heimlich Gutes tut, rechts der heilige Martin, der seinen Mantel mit einem Bedürftigen teilt.

Festtagsseiten der Flügel

Foto: Festtagsseiten der Flügel 1
Foto: Festtagsseiten der Flügel 2

Auf den Festtagsseiten der Flügel befindet sich links die heilige Katharina von Alexandrien. Sie hält ein Messer besetztes Rad und ein Schwert in der Hand. Der Kaiser ließ sie wegen ihres Glaubens geißeln und in den Kerker werfen. Als der Kaiser ein Rad mit spitzen Messern und Nägeln aufrichten ließ, um Katharina zu martern, zerstörten ein Blitz und Donnerschlag das Rad und erschlugen die Henker. Rechts ist die heilige Barbara mit einem Turm dargestellt, in den sie ihr Vater wegen ihres christlichen Glaubens einsperrte.

Fastenzeitseiten der Flügel

Foto: Fastenzeitseiten der Flügel

Links auf der Alltagsseite finden wir oben Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwert. Darunter ist der heilige Antonius mit dem "T" auf dem Mantel und dem Glöcklein des Einsiedlers abgebildet. Er wurde einer der geistigen Väter des Mönchtums. An seiner Seite steht der heilige Franziskus mit den Wundmahlen Christi. Er wurde Gründer der Franziskaner. Zwischen den Häuptern von Antonius und Franziskus ist das Entstehungsjahr 1497 zu sehen.

Die rechte Rückseite zeigt oben Sebastian, der unter Kaiser Diokletian für seinen christlichen Glauben starb. Neben Sebastian steht der heilige Rochus. Er zog als Wanderprediger durch Italien und pflegte die Pestkranken, bis er sich selbst ansteckte. Darunter finden wir Johannes den Evangelisten und Christopherus, der das Christuskind auf der Schulter trägt. Er wollte nur dem stärksten Herrn der Welt dienen.

Kanzel und Taufstein

Foto: Taufstein 1
Foto: Taufstein 2
Foto: Kanzel

Taufstein und Kanzel stammen von dem 1662 geborenen Elsterberger Kunsttischler Christian Preller.

Auf dem Kanzelkorb finden wir Jesus Christus als den Welterhalter in der Mitte. Rechts und links sind die vier Evangelisten dargestellt, denen von alters her typische Symbole zugeordnet werden: Matthäus ist gekennzeichnet durch den Engel, Markus durch den Löwen, Lukas durch den Stier und Johannes durch den Adler.

Die gleichen Motive zeigt auch der Taufstein, dessen Kelch auf einem sitzenden Engel ruht. Auf dem Deckel des Taufsteins finden wir die vier Evangelisten, von denen drei 1970 entwendet wurden und erst anfang der 90ger Jahre ersetzt werden konnten. Am oberen Aufbau des Deckels ist die Taufe Jesu durch Johannes im Jordanfluss dargestellt. Dabei sieht Jesus den Himmel offen und den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube auf sich herabkommen. Die figürliche Darstellung dieser Dreiheit ist selten, da ein Gebot des Alten Testamentes die bildliche Darstellung Gottes verbietet.

Powered by Sebastian Schumann